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Erinnerungen einer Fehntjerin

Elmas Erinnerungen an Meta van Bült und ihre Familie...

  • hillehoek
  • 20. Juni
  • 3 Min. Lesezeit


Da ich elf Jahre älter als meine Cousine Margret bin, reichen meine Erinnerungen an die Familie von „Meta upt Bült“ noch in die ersten Kriegsjahre zurück. In der Zeit, an die Margret sich später erinnert, bin ich dort wohl nicht mehr gewesen. So ergänzen sich unsere Erinnerungen zeitlich und erweitern den Blick auf die Familie um einige Jahre. 

 

 Im Haus von Metas Schwester Elisabeth, unserer Tant Setti, wohnten meine Eltern, und dort wurde ich auch geboren, in der 1. Südwieke Ostrhauderfehn Nr. 4. Meine Oma Sinning wohnte nur zwei Häuser weiter.

Tant Setti hatte einen Sohn, Theodor – oder Thedor, wie wir sagten. Er hatte einen Freund in Westrhauderfehn, Hans Deepen. Die beiden machten viele der kleinen Fotos, die von mir noch erhalten sind. Thedor blieb unserer Familie über viele Jahre verbunden.

Hans Deepen wurde später Schulleiter der Schule im Untenende und damit mein Chef, als ich dort unterrichtete. Zuvor hatte ich ihn bereits als Praktikanten an der Grundschule Ostrhauderfehn erlebt. Unter anderem brachte er uns das Pfannkuchenbacken bei – mit Hilfe einer Zigarrenkiste. Das habe ich nie vergessen. Er hat mich immer geduzt, was mich nie gestört hat. Ob dadurch auch die Verbindung zu Meta entstand, weiß ich heute nicht mehr.

Auf jeden Fall war ich als Kind oft auf dem Bült. Dort gab es einen kleinen gelbbraunen Hund namens Tomix. Mit Zwieback lockte ich ihn manchmal mit zu uns nach Hause, aber er lief anschließend ganz allein wieder zurück.

Als ich mit etwa zehn Jahren Klavierunterricht bei unserem Hauptlehrer Ojemann bekam, war ich fast täglich dort. Meta besaß ein Klavier, ich noch nicht, und deshalb durfte ich bei ihr üben. Wann ich selbst eines bekam, weiß ich nicht mehr.

Oft nahm ich meine Freundin Wenda mit. Schon die Allee zum Bült hin war beeindruckend, und erst recht das große Bauernhaus. Wir durften uns alles ansehen, hatten aber immer etwas Respekt vor dem Opa, der meist in seinem Sessel saß. Er konnte nicht mehr viel arbeiten, weil er im Krieg durch einen Kopfschuss schwer verwundet worden war. Wie man so etwas überhaupt überleben konnte, konnten wir Kinder uns kaum vorstellen.

Irgendwann bekam Meta Hilfe: Ein junger Russe namens Stanis kam auf den Hof. Für uns Kinder war das äußerst spannend – wo sah man schon einen leibhaftigen Russen? Wenn ich mich richtig erinnere, sprach er gut Deutsch. Stanis übernahm die schweren Arbeiten auf dem Hof, besonders alles, was mit dem Stier zusammenhing, und wahrscheinlich auch das Melken.

Bald gehörte er wie ein „Kind im Haus“ zur Familie und war für Meta eine große Hilfe. Wir Mädchen schwärmten für ihn und dichteten ihm allerlei an. Für uns war er ein wenig ein „Prinz aus dem Morgenland“, den wir uns in schöner Kleidung vorstellten.

Ich erinnere mich, dass Stanis nach dem Krieg heiratete und mit seiner Frau in die USA auswanderte. Wir haben später sogar seine Adresse herausgefunden, doch blieb es leider nur bei einem kurzen Kontakt. Kaum einer der ehemaligen Zwangsarbeiter kehrte in seine Heimat zurück; viele fanden später eine neue Heimat in den USA oder Kanada. Wie Meta ihren Betrieb danach weiterführte, weiß ich nicht, doch wird sie sicher Hilfe gehabt haben.

Besonders beeindruckte mich Metas Bauernküche mit dem offenen Kamin. Über dem Feuer hing der Wasserkessel an einer Kette. Eine der Küchenbutzen hatte sie zu einem Badezimmer umbauen lassen.


Theodor, Wenda und Elma auf einem Boot in der 1. Südwieke
Theodor, Wenda und Elma auf einem Boot in der 1. Südwieke

Ich erinnere mich auch daran, wie ich einmal bei großer Sommerhitze hinter Metas Haus neben dem Misthaufen saß und die Blüten der Taubnesseln abzupfte, die dort in großen Mengen wuchsen. Es war Krieg, und auch wir Kinder mussten unseren Beitrag leisten. Heilpflanzen wurden gesammelt, getrocknet und anschließend bei einer Sammelstelle abgegeben.

Ich hatte mir allerdings nicht gerade die leichteste Arbeit ausgesucht. Die Jungen kamen mit Säcken voller Brombeerblätter und Bickbeerblätter zurück, dazu gab es noch viele andere Pflanzen. Sie lachten über uns Mädchen, weil wir Gänsefingerkraut und Taubnesseln sammelten.


 

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