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Erinnerungen einer Fehntjerin

Das Tagebuch

Enno Wilhelm Hektor (1820–1874) war ein ostfriesischer Schriftsteller, Dichter und Dramatiker aus Dornum. Er schrieb sowohl auf Hochdeutsch als auch auf Plattdeutsch und setzte sich in seinen Werken oft mit den sozialen und politischen Fragen seiner Zeit auseinander.

Sein bekanntestes Werk ist das plattdeutsche Lied „In Oostfreesland is't am besten“, das bis heute als Regionalhymne Ostfrieslands gilt. Hektor schrieb das Lied im Jahr 1850 während eines Aufenthalts im Ahrtal, nachdem er seine ostfriesische Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hatte. Gerade die räumliche Distanz verlieh dem Lied seine besondere Wärme und Verbundenheit mit Ostfriesland.

Nach Studien in München arbeitete Hektor viele Jahre am Germanischen Museum in Nürnberg und veröffentlichte Gedichte, Theaterstücke sowie Beiträge zur niederdeutschen Sprache. Sein Ostfrieslandlied wird bis heute bei zahlreichen festlichen Anlässen gesungen und gehört zu den bekanntesten kulturellen Symbolen der Region.




Das Gedicht „In Oostfreesland is't am besten“ von Enno Wilhelm Hektor (1820–1874) ist vor allem als ostfriesisches Heimatlied bekannt. Elma Hoek trägt den Text hier bewusst als Gedicht vor und lässt seine Sprache und seinen Inhalt für sich sprechen.

 
 
 

Martha Müller-Grählert (1876–1939) war eine vorpommersche Heimatdichterin und die Verfasserin des Gedichts „Mine Heimat“, aus dem später das bekannte Ost- beziehungsweise Nordseewellenlied hervorging.

Bereits als junge Frau schrieb sie Gedichte und arbeitete zeitweise als Redakteurin – für eine Frau ihrer Zeit ein ungewöhnlicher Berufsweg. Während eines Aufenthalts in Berlin entstand aus der Sehnsucht nach ihrer Heimat das plattdeutsche Gedicht Mine Heimat, das später weit über Norddeutschland hinaus bekannt wurde.

Ihr eigenes Leben war jedoch von schweren Schicksalsschlägen geprägt. Nach dem Scheitern ihrer Ehe lebte sie viele Jahre in wirtschaftlicher Not. Obwohl ihr Gedicht in verschiedenen Fassungen große Verbreitung fand, musste sie lange um die Anerkennung ihrer Urheberrechte kämpfen. Erst 1936 wurden diese offiziell bestätigt – nur wenige Jahre vor ihrem Tod und zu spät, um ihr noch ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.

Heute gilt Martha Müller-Grählert als eine der bedeutenden plattdeutschen Heimatdichterinnen. Ihr Werk erinnert daran, wie kraftvoll Sprache Heimat, Erinnerung und Sehnsucht ausdrücken kann.




Beim Singen trägt die Melodie die Worte. Beim Sprechen tragen die Worte sich selbst – und ihre Bedeutung kann oft noch tiefer wirken.

In diesem Video spricht Elma das Nordseewellenlied auf ihre ganz eigene, ruhige Weise.

 
 
 


Da ich elf Jahre älter als meine Cousine Margret bin, reichen meine Erinnerungen an die Familie von „Meta upt Bült“ noch in die ersten Kriegsjahre zurück. In der Zeit, an die Margret sich später erinnert, bin ich dort wohl nicht mehr gewesen. So ergänzen sich unsere Erinnerungen zeitlich und erweitern den Blick auf die Familie um einige Jahre. 

 

 Im Haus von Metas Schwester Elisabeth, unserer Tant Setti, wohnten meine Eltern, und dort wurde ich auch geboren, in der 1. Südwieke Ostrhauderfehn Nr. 4. Meine Oma Sinning wohnte nur zwei Häuser weiter.

Tant Setti hatte einen Sohn, Theodor – oder Thedor, wie wir sagten. Er hatte einen Freund in Westrhauderfehn, Hans Deepen. Die beiden machten viele der kleinen Fotos, die von mir noch erhalten sind. Thedor blieb unserer Familie über viele Jahre verbunden.

Hans Deepen wurde später Schulleiter der Schule im Untenende und damit mein Chef, als ich dort unterrichtete. Zuvor hatte ich ihn bereits als Praktikanten an der Grundschule Ostrhauderfehn erlebt. Unter anderem brachte er uns das Pfannkuchenbacken bei – mit Hilfe einer Zigarrenkiste. Das habe ich nie vergessen. Er hat mich immer geduzt, was mich nie gestört hat. Ob dadurch auch die Verbindung zu Meta entstand, weiß ich heute nicht mehr.

Auf jeden Fall war ich als Kind oft auf dem Bült. Dort gab es einen kleinen gelbbraunen Hund namens Tomix. Mit Zwieback lockte ich ihn manchmal mit zu uns nach Hause, aber er lief anschließend ganz allein wieder zurück.

Als ich mit etwa zehn Jahren Klavierunterricht bei unserem Hauptlehrer Ojemann bekam, war ich fast täglich dort. Meta besaß ein Klavier, ich noch nicht, und deshalb durfte ich bei ihr üben. Wann ich selbst eines bekam, weiß ich nicht mehr.

Oft nahm ich meine Freundin Wenda mit. Schon die Allee zum Bült hin war beeindruckend, und erst recht das große Bauernhaus. Wir durften uns alles ansehen, hatten aber immer etwas Respekt vor dem Opa, der meist in seinem Sessel saß. Er konnte nicht mehr viel arbeiten, weil er im Krieg durch einen Kopfschuss schwer verwundet worden war. Wie man so etwas überhaupt überleben konnte, konnten wir Kinder uns kaum vorstellen.

Irgendwann bekam Meta Hilfe: Ein junger Russe namens Stanis kam auf den Hof. Für uns Kinder war das äußerst spannend – wo sah man schon einen leibhaftigen Russen? Wenn ich mich richtig erinnere, sprach er gut Deutsch. Stanis übernahm die schweren Arbeiten auf dem Hof, besonders alles, was mit dem Stier zusammenhing, und wahrscheinlich auch das Melken.

Bald gehörte er wie ein „Kind im Haus“ zur Familie und war für Meta eine große Hilfe. Wir Mädchen schwärmten für ihn und dichteten ihm allerlei an. Für uns war er ein wenig ein „Prinz aus dem Morgenland“, den wir uns in schöner Kleidung vorstellten.

Ich erinnere mich, dass Stanis nach dem Krieg heiratete und mit seiner Frau in die USA auswanderte. Wir haben später sogar seine Adresse herausgefunden, doch blieb es leider nur bei einem kurzen Kontakt. Kaum einer der ehemaligen Zwangsarbeiter kehrte in seine Heimat zurück; viele fanden später eine neue Heimat in den USA oder Kanada. Wie Meta ihren Betrieb danach weiterführte, weiß ich nicht, doch wird sie sicher Hilfe gehabt haben.

Besonders beeindruckte mich Metas Bauernküche mit dem offenen Kamin. Über dem Feuer hing der Wasserkessel an einer Kette. Eine der Küchenbutzen hatte sie zu einem Badezimmer umbauen lassen.


Theodor, Wenda und Elma auf einem Boot in der 1. Südwieke
Theodor, Wenda und Elma auf einem Boot in der 1. Südwieke

Ich erinnere mich auch daran, wie ich einmal bei großer Sommerhitze hinter Metas Haus neben dem Misthaufen saß und die Blüten der Taubnesseln abzupfte, die dort in großen Mengen wuchsen. Es war Krieg, und auch wir Kinder mussten unseren Beitrag leisten. Heilpflanzen wurden gesammelt, getrocknet und anschließend bei einer Sammelstelle abgegeben.

Ich hatte mir allerdings nicht gerade die leichteste Arbeit ausgesucht. Die Jungen kamen mit Säcken voller Brombeerblätter und Bickbeerblätter zurück, dazu gab es noch viele andere Pflanzen. Sie lachten über uns Mädchen, weil wir Gänsefingerkraut und Taubnesseln sammelten.


 

 
 
 
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